Augen auf beim Kleiderkauf – Welche Textillabels sind verlässlich?

Kind mit Muetze

Augen auf beim Kleiderkauf : Wir brauchen Kleidung, um unsere Haut vor Wind und Wetter zu schützen. Natürlich möchten wir uns auch wohlfühlen und sichergehen, dass unsere zweite Haut uns nicht belastet. Das gilt besonders für empfindliche Kinderhaut. Immer wieder kursieren Skandalmeldungen durch die Medien, wo über Giftstoffe in Kleidung berichtet wird. Textillabels wollen informieren, doch welche Siegel sind verlässlich?

Mit Kindern shoppen – nicht immer die wahre Freude

Kinder benötigen viel Kleidung, einfach weil sie schnell wachsen. Außerdem bewegen sie sich viel und achten nicht unbedingt darauf, dass Pullis und Hosen auch schön sauber bleiben und keine Löcher bekommen. Viele Eltern kaufen besonders gerne gebrauchte Babykleidung auf Börsen oder tauschen untereinander mit anderen Familien. Das hat neben dem finanziellen Aspekt noch den Vorteil, dass getragene Kleidung weniger chemische Schadstoffe enthält, da sie ja schon einige Waschgänge hinter sich hat.

Später profitieren Kinder vielleicht noch von den Kleidungsstücken, aus denen die älteren Geschwister herausgewachsen sind. Aber auch das ist irgendwann vorbei und die Kleinen möchten gerne selber aussuchen, welche Kleidung in ihren Schrank wandert. Und hier beginnt meist das Dilemma. Shopping mit Kindern kann zum Drama werden, wenn der Nachwuchs einfach keine Lust hat, von Geschäft zu Geschäft zu pilgern, um Sachen anzuprobieren. Sicherlich gibt es hier auch Ausnahmen und die Ausdauer verändert sich mit zunehmendem Lebensalter. So kann es aber für manche Eltern ein wahrer Segen sein, wenn man die neuesten Kindermode-Trends  einfach bequem online durchstöbern und bestellen kann. Aber auch beim Onlinekauf sollten die Eltern im Blick haben, dass sie gezielt bestellen, damit nicht unnötig viele Pakete hin- und herwandern.

Made in Germany?

Jeder weiß, dass nur ein Bruchteil der Kleidung, die es in Deutschland zu kaufen gibt, auch in Deutschland produziert wird. Die Gründe liegen klar auf der Hand. In Deutschland ist die Produktion einfach zu teuer. Zitat des Statistischen Bundesamtes: „Die Textilbranche ist stark von der Globalisierung der Märkte geprägt. So stammt circa 90 Prozent der in Deutschland gekauften Bekleidung aus dem Import, zum größten Teil aus China, der Türkei und Bangladesch.“

Welchen Weg zum Beispiel eine einfache Jeans nimmt, bis sie bei uns in den Geschäften oder online zu kaufen ist, zeigt folgendes Beispiel:

Die Weltreise einer Jeans vom Rohstoff bis zum Kleidungsstück

Baumwolle

© pixabay.com

Die meisten Jeans bestehen aus Baumwolle, die zum größten Teil in den USA, Indien, Kasachstan und China  auf großen Plantagen angepflanzt wird. In den USA kommen meist große Maschinen zum Einsatz, wenn die Bauwollflocken gesprossen sind. In vielen Ländern müssen die Erntehelfer jedoch noch von Hand pflücken.
Nach der Ernte werden die Baumwollfäden gereinigt, aufbereitet und weiter in die Türkei geschickt. Damit später der Stoff gewebt werden kann, müssen die einzelnen Fasern mit großen Spinnmaschinen zu einem festen Garn miteinander versponnen werden.
Dieses Garn geht dann auf die Reise nach Taiwan. Mit großen Webmaschinen wird das Garn zu einem großflächigen Jeansstoff verarbeitet. Damit die Jeans ihre blaue Farbe erhält, benutzt man Indigo, das allerdings wiederum aus Polen stammt.
In Bulgarien erfährt der blau eingefärbte Jeansstoff  seine Veredelung, das heißt er wird weicher und knittert nicht mehr so leicht.
Weiter geht es nach Indien.  Aus dem veredelten Jeansstoff werden nun endlich die Jeanshosen genäht, wobei Knöpfe und Nieten allerdings aus Italien importiert werden und das Futter aus der Schweiz kommt.
Die Reise führt die fertig genähten Hosen nun nach Frankreich. Hier bekommen die Hosen ihren letzten Schliff. Besonders beliebt ist der „Stone-Washed-Effekt“, der hier mit Hilfe von Bimssteinen aus Griechenland erzeugt wird. Jetzt endlich ist die Produktion beendet und die Jeans verkaufsbereit.
In Deutschland angekommen erhält die Jeans nun das Firmenlabel und den Kennzeichen „Made in Germany“! Nirgendwo ist mehr zu erkennen, welche lange Reise die Hose tatsächlich hinter sich hat. So können schnell bis zu 60.000 km Wegstrecke zusammenkommen vom Rohstoff bis zum fertigen Kleidungsstück.

Wie stark sind Textilien mit Schadstoffen belastet – sind Textillabels verlässlich?

Leider kann man es der Kleidung von außen oft nicht ansehen, ob sie mit Schadstoffen belastet ist oder nicht.  Textillabels sollen Licht ins Dunkel bringen, aber kann man sich wirklich sicher sein? Greenpeace hat zuletzt 2016 im Ratgeber „Textil Label unter der Detox-Lupe“ versucht, diese Frage zu beantworten. Man konnte feststellen, dass kein Label wirklich 100 %-ige Sicherheit bietet. Greenpeace empfiehlt jedoch das IVN Best-Label und das GOTS-Label, weil hier die strengsten Kriterien angewendet werden. Das wohl bekanntere Label Öko-Tex Standard 100 wird hier jedoch weniger gut bewertet, da hier nur das Endprodukt, nicht aber der Produktionsprozess bewertet werden.

Besonders bei Kinderkleidung sollten Eltern auf schadstofffreie Kleidung achten und vielleicht beim nächsten Einkauf einfach mal nach einem der Labels suchen oder gezielt danach fragen.