Seit 10 Jahren erstmals steigende Geburtenrate

Seit 10 Jahren erstmals steigende Geburtenrate: Deutschland kann zum ersten Mal seit 2004 einen Anstieg der Geburtenrate verzeichnen. Einige Jahre zuvor wurde das Elterngeld als Weiterentwicklung des Erziehungsgeldes eingeführt, außerdem stehen immer mehr Krippenplätze zur Verfügung. Doch wie wirken sich die einzelnen Faktoren auf die Geburtenrate wirklich aus?

Steigende Geburtenraten in Deutschland

Im Jahr 2014 konnte Deutschland mehr Ehen und Geburten als in den Vorjahren verzeichnen. Mit 715.000 Babys wurden 4,8% mehr Babys zur Welt gebracht als 2013. Das letzte Mal, dass Deutschland mehr als 700.000 Geburten vorweisen konnte, war im Jahr 2004. Das haben die vorläufigen Zahlen des statistischen Bundesamtes zum Thema Familie belegt. Für Bundesfamilienministerin Schwesig ist „das ist ein schönes Signal, dass in Deutschland wieder mehr Kinder geboren werden. Wir müssen uns weiterhin anstrengen, Familien in Deutschland gut zu unterstützen.“ Dazu zählen unter anderem das Elterngeld und der Ausbau von Betreuungsplätzen für Kinder.

2007 wurde das Elterngeld in Deutschland eingeführt

Bis 2007 konnten werdende Eltern Erziehungsgeld beantragen, dies wurde dann vom Elterngeld abgelöst. Für werdende Eltern bedeutet das, sie erhalten nun einen prozentualen Anteil ihres Nettogehaltes von vor der Geburt des Kindes. Die Höhe des Elterngeldes liegt zwischen 300 Euro und maximal 1.800 Euro und wird bis zu 14 Monate gezahlt. Im Gegensatz dazu konnte das Erziehungsgeld bis zu 24 Monate gezahlt werden, jedoch in geringer Höhe. Von den 14 Monaten sind zwei Monate sogenannte Partnermonate. Wenn beide Partner das Elterngeld beantragen und ihre Arbeitsstunden reduzieren, können Sie selbst entscheiden, wann welches Elternteil das Elterngeld in den 14 Monaten erhält. Einzige Voraussetzung ist ein Minimum von zwei Monaten des einen Partners und ein Maximum von 12 des anderen Elternteils. Dadurch profitieren vor allem Väter, da sie nun mehr Zeit mit ihren Kindern verbringen können. Das Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) veröffentlichte fünf Jahre später die ersten Ergebnisse des Elterngeld-Monitors. Das Elterngeld hat dazu geführt, dass Frauen wieder früher ins Berufsleben einsteigen. Außerdem haben Haushalte im Durchschnitt monatlich 400 Euro mehr zur Verfügung. Väter bleiben dank des Elterngeldes mittlerweile auch häufiger Zuhause. Etwa 25 Prozent der Väter haben das Elterngeld im Jahr 2010 für eine durchschnittliche Dauer von 3,5 Monaten in Anspruch genommen.

Finanzielle Anreize allein reichen nicht aus

Sicher sind die positiven Zahlen nicht nur auf das Elterngeld zurückzuführen. In anderen Ländern sind es nämlich vor allem die Maßnahmen, die es jungen Eltern ermöglichen, Familie und Beruf unter einen Hut zu bringen, die die Geburtenraten steigen lassen. Eine vom Markt- und Meinungsforschungsinstitut Forsa durchgeführte Studie hat herausgefunden, dass fast ein Drittel der Frauen ohne Kinder bei der Aussicht auf eine verlässliche Kinderbetreuung bis ins Jugendalter doch ein Kind bekommen würde. Auch in Deutschland wird daran gearbeitet, Ganztagsangebote für Kinder weiter auszubauen, um Eltern die Stellensuche und den Einstieg ins Berufsleben zu erleichtern. So wurden 2008 insgesamt 232.333 Krippenplätze geschaffen, dennoch reichen diese Plätze nur für ein Drittel der Kinder unter drei Jahren.
Die Universität Passau hat in Zusammenarbeit mit dem Münchner Ifo-Institut eine Studie zu Krippenplätzen durchgeführt. Hier wurden Landkreise mit überdurchschnittlicher hoher Schaffung von Krippenplätzen mit Landkreisen verglichen, in denen wenig neue Plätze angeboten wurden. Sie kamen zu dem Ergebnis, dass die Geburtenrate in den Regionen mit schnell wachsender Krippenzahl auch schneller stieg. Auch wenn Deutschland im Vergleich mit anderen Ländern immer noch verhältnismäßig geringe Geburtenraten vorweist, so zeigen die Zahlen von 2014 und der Ausbau der Kindergartenangebote doch, dass Beruf und Familie auch hier langsam besser vereinbar werden.