Familienabend zwischen Kita-Alltag und Mittagessen

Am 15. Oktober 2026 hat das Kompetenzzentrum für Ernährung (KErn) im Auftrag des bayerischen Ernährungsministeriums sein Online-Forum „Junge Eltern/Familien“ veranstaltet. Thema waren Ernährung und Bewegung in Familien unter Kostendruck und Stress.

Abendessen als fester Termin nach Kita und Arbeit

Die Ergebnisse fasste am 22. Oktober das Projekt kidsTUMove der Technischen Universität München zusammen. Kinderernährung gelinge demnach in einer positiven Essensumgebung mit verlässlichen Strukturen, gemeinsamen Mahlzeiten, Vielfalt und Erwachsenen als Vorbild.

Eine feste Uhrzeit fürs Abendessen ist die einfachste dieser Strukturen. Aufwendig gekocht sein muss dafür nichts. Mehr bringen wenige Regeln am Tisch, etwa gemeinsam anfangen und das Spielzeug vorher wegräumen.

Der Kita-Speiseplan als Vorlage fürs Abendessen

Das Abendessen ist werktags in den meisten Familien die gemeinsame Mahlzeit. In einer Online-Befragung, die WE ARE FAMILY im Juli 2025 für die Barmer und die Sarah Wiener Stiftung unter 1.200 Eltern von Drei- bis Elfjährigen durchführte, sei es für 90 Prozent der zentrale Treffpunkt. Der Ablauf spiegle Job, Schule und Kita wider. Barmer und Stiftung betreiben gemeinsam die Kochinitiative „Ich kann kochen!“, aus der die Studie stammt.

Wer den Wochenspeiseplan der Kita kennt, kann das Abendessen darauf abstimmen. Gab es mittags Nudeln mit Tomatensoße, passen abends eher Brot und Rohkost. Nach langen Betreuungstagen reichen kleine Portionen vertrauter Gerichte.

Ein Lieferabend für die vollsten Tage der Woche

An solchen Betreuungstagen soll auch die Zubereitung kurz sein. Im Ernährungsreport 2025 des Bundeslandwirtschaftsministeriums sei es 57 Prozent von rund 1.000 Befragten ab 14 Jahren sehr wichtig oder wichtig, dass sich Essen einfach und schnell zubereiten lasse. Die Interviews führte Forsa im Mai und Juni 2025.

Frische Pasta ist in wenigen Minuten gar, weil der Teig nicht getrocknet ist. An einem vollen Tag können sich Familien in Großstädten wie Berlin frische Pasta nach Hause liefern lassen und so den Einkauf nach der Kita auslassen. Je nach Anbieter kommt sie roh zum Selberkochen oder fertig zubereitet. Rohe Frischteigwaren sind Kühlware und gehören nach der Lieferung direkt in den Kühlschrank. Wie lange sie halten, steht auf der Packung. Portionsgröße und Beilagen lassen sich vor der Bestellung mit den Kindern absprechen.

Salat und Rohkost neben der Pasta

Bei Portionen und Beilagen haben Kinder meist ein Wort mitzureden. In 69 Prozent der Familien entschieden sie laut Barmer-Befragung häufig oder immer mit, was auf den Tisch kommt. Die Menge auf dem eigenen Teller bestimme die Mehrheit der Kinder selbst.

In der Küche helfen dagegen längst nicht alle Kinder mit. Als wichtigste Gründe nennt der Studienbericht fehlendes Interesse und dass Eltern allein schneller seien, bei Neun- bis Elfjährigen kämen andere Verpflichtungen hinzu. Bei gelieferter Pasta decken Kinder den Tisch oder reiben den Parmesan. Für die Beilage können schon kleine Kinder Pilze oder Salat mit einem stumpfen Messer schneiden.

Salat und Rohkost bringen Gemüse auf den Tisch, ohne dass jemand kochen muss. Nach den im März 2024 veröffentlichten Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) gehören mindestens fünf Portionen Obst und Gemüse auf den Tagesplan, möglichst nach Erntesaison. Formuliert sind sie für gesunde Erwachsene zwischen 18 und 65 Jahren. Ende Oktober bieten sich Möhren aus der Region als Rohkost und Äpfel als Nachtisch an. Möhrensticks mit einem Joghurtdip sind schneller geschnitten, als das Wasser für die Pasta kocht.

Lässt ein Kind die Rohkost liegen, steht es damit nicht allein. Wählerisches Essverhalten sei laut Studienbericht für Eltern ebenso oft eine Stressquelle wie die tägliche Frage, was es zu essen gibt. Manchmal entscheidet die Zubereitung, ob ein Kind eine Gemüsesorte isst, etwa Möhren roh als Stick oder gegart in der Soße. Bei wählerischen Essern kann die vertraute Pasta die Grundlage bleiben, ergänzt um eine einzige neue Zutat wie ein paar Erbsen oder einen Löffel Ricotta. Ob das Kind sie probiert, bleibt ihm überlassen.

Vorräte für den spontanen Abend

Erbsen aus dem Tiefkühlfach gehören zu den Vorräten, mit denen ein Abend ohne Einkauf trotzdem Gemüse bekommt. Auf dem Forum vom 15. Oktober galt der Vorratshaltung für Familien ein eigener Vortrag. Gehalten haben ihn Dr. Stephan Lück vom KErn und Markus Eichschmid vom Medizinischen Katastrophen-Hilfswerk Deutschland. Eingeladen waren Fachkräfte, die junge Familien begleiten. Der Vortrag sollte laut Programm klären, welche Vorräte sinnvoll seien und wie Familien für alle Fälle vorsorgen könnten. In der Zusammenfassung von kidsTUMove heißt es, eine an die Lebenslage angepasste Vorratshaltung schaffe Spielraum und entlaste den Alltag.

In der Barmer-Befragung habe die gesunde Vorratshaltung unter allen abgefragten Feldern der Ernährungskompetenz am schwächsten abgeschnitten, wobei die Eltern sich selbst einschätzten. Streit am Tisch spiele laut Studienbericht nur eine kleine Rolle, schwerer wögen die Organisation der Mahlzeiten und fehlende Energie zum Kochen. Informationen suchten Eltern laut Bericht meist online, am häufigsten alltagstaugliche Rezepte.

Gegen den Organisationsaufwand hilft ein Wochenplan, der sich nach dem tatsächlichen Rhythmus der Familie richtet. Neben den Kochabenden steht darin ein Restetag. Übrig gebliebene Spaghetti kommen dann als Spaghetti-Pizza vom Blech mit Gemüse, Eiern, Sahne und Emmentaler eine halbe Stunde in den Ofen. Getrocknete Nudeln und passierte Tomaten halten lange und ergeben ohne Einkauf eine Mahlzeit, für die Beilage reichen Möhren und Äpfel aus dem Kühlschrank. Der Lieferabend bleibt eine Ausnahme für Tage, an denen nach Kita und Arbeit die Zeit zum Kochen fehlt.

Kurse und Online-Seminare zu Ernährung und Bewegung für Familien mit Kindern bis sechs Jahre bieten in Bayern die Ämter für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten an, kostenfrei und teils vor Ort. Angemeldet wird online über das Portal weiterbildung.bayern.de.