Warum essen Jugendliche anders?

Familienessen

Jugendliche befinden sich im Spannungsfeld zwischen wohl behütetem Elternhaus und dem langsam voranschreitenden Abnabelungsprozess. Ständig im Wechselbad der Gefühle und zusätzlich den schulischen Herausforderungen ausgesetzt, zeigt sich dies auch im Ernährungsverhalten. Wie essen Jugendliche und wie können Eltern dafür sorgen, dass ihre Sprösslinge alle Nährstoffe erhalten?

Essen erfüllt viele Funktionen

Neben der Zufuhr von Nährstoffen erfüllt die Nahrungsaufnahme noch viele weitere Funktionen. Im familiären Umfeld stellt es gemeinsam verbrachte Zeit dar, wo die Familie sich austauscht und das Tagesgeschehen bespricht. Auch in Sachen Erziehung findet hier nebenbei die Einübung von soziokulturellem Verhalten statt.  Es ist ein Ort der Geborgenheit und Sicherheit und oftmals der einzige Zeitpunkt, wo die gesamte Familie sich an einem Tisch versammelt.

Jugendliche brauchen Rückzugsorte und die Möglichkeit der Selbstbestimmung

Bedingt durch veränderte Unterrichtszeiten und Freizeitbeschäftigungen nimmt die Häufigkeit des gemeinsamen Essens immer mehr ab und ist für die Heranwachsenden auch nicht mehr so wichtig. Andere Dinge, wie das Zusammensein mit Freunden, die Zugehörigkeit zur Peergroup sowie Sport oder Musik werden wichtiger. Das Essen muss schmecken und satt machen, soll aber nicht so viel Zeit in Anspruch nehmen. Die Essensaufnahme außer Haus dient dabei auch der Abgrenzung. Dabei steht die Nahrungsaufnahme zu Hause aber nach wie vor hoch im Kurs, denn auch Jugendliche genießen es nach wie vor von den Eltern umsorgt zu werden und genießen die gemeinsame Zeit mit der Familie.

Jugendliche genießen die Freiheit der Selbstversorgung

Nach wie vor ist es so, dass die Grundversorgung mit Nahrung im Elternhaus stattfindet. Ort und Zeit des Essens kann dabei jedoch wesentlich von denen der anderen Familienmitglieder abweichen. Die innere Uhr Jugendlicher tickt völlig anders und es fällt ihnen schwer morgens aufzustehen. Damit hier nicht das Frühstück auf der Strecke bleibt, sind Eltern gefragt, hier in der Früh für eine Mahlzeit zu sorgen. Im Laufe des Tages wird sich sehr gerne aus dem Kühlschrank bedient und sich das eine oder andere Tiefkühlgericht erwärmt. Zudem ist im Zuge des Ganztagsschulbetriebes das Mittagessen meist extern geregelt.

Vorsicht bei extremem Essverhalten

Während bei dem Mädchen oft eine gesunde Ernährungsweise im Vordergrund steht und hier oft ein Schönheitsideal eine Rolle spielt, achten Jungen eher darauf, dass die Nahrung einem sportlichen Körper zuträglich ist. Und auch hier wird zunehmend

auf die Kalorienzufuhr geachtet. Vorsicht ist geboten, wenn Jugendliche bewusst Mahlzeiten weglassen, sich sehr einseitig ernähren oder stark an Gewicht zu- oder abnehmen. Essstörungen haben oft psychische Ursachen und sollten auch medizinisch behandelt werden.

Zudem steigt die Gefahr eine Unterversorgung mit Vitaminen und Mineralien, die gerade in der Entwicklung besonders wichtig sind. Hier kann eine Untersuchung beim Hausarzt Auskunft darüber geben, ob Mängel vorhanden sind und hier eventuell Nahrungsergänzungsmittel zum Einsatz kommen müssen.

Wie können Eltern das Essverhalten positiv unterstützen?

Generell gilt: Ermahnungen und Predigten über „gesundes Essen“ stoßen bei Jugendlichen auf taube Ohren. Nach wie vor ist es wichtig, regelmäßiges und abwechslungsreiches Essen vorzuleben und anzubieten. Eine Orientierung an den 10 Regeln der DGE kann gute Anhaltspunkte liefern.

Auch wenn die Pubertät ein hohes Konfliktpotential in sich birgt, werden hier Grundlagen geschaffen, die ein Leben lang nachwirken. Eltern haben ja die Möglichkeit, die Lebensmittel im Kühlschrank zu beeinflussen und somit, zumindest im häuslichen Bereich, die Lebensmittelauswahl einzuschränken.

Auch die Anleitung zum Selberkochen kommt bei vielen Jugendlichen gut an und es macht auch immer einen guten Eindruck beim anderen Geschlecht, wenn man das eine oder andere Gericht zaubern kann.