Diätwahn bei Jugendlichen – Gründe, Gefahren und Auswege

Orange mit Massband

Diätwahn bei Jugendlichen: Viele Jugendliche sind mit ihrem Gewicht unzufrieden und machen im zarten Teenageralter ihre ersten Erfahrungen mit Diäten. Sie eifern einem Schönheitsideal nach, das Ihnen von Modezeitschriften und Castingshows oder Bilderplattformen wie Instagram als ideal präsentiert wird und versuchen mit Extremsport und Nahrungsverzicht ihrem Ideal zu entsprechen. Es können tiefe liegende psychische Probleme dahinterstecken.

Diätwahn bei Jugendlichen

Essstörungen gehören laut ICD 10 (International Classification of Diseases and Related Health Problems) zu den Verhaltensauffälligkeiten mit körperlichen Störungen und Faktoren.

Diätwahnsinn: Teenager eifern einem Schönheitsideal nach, das ihnen von den Medien suggeriert wird

Jungs und Mädchen meist im Teenageralter betreiben einen extremen Körperkult und haben große Angst davor zuzunehmen, was im schlimmsten Fall auch tödlich enden kann. Auffällig ist außerdem, dass ihre Körperwahrnehmung nicht mehr mit der Realität übereinstimmt und sie sich viel dicker wahrnehmen, als sie eigentlich sind.

Auch tiefe psychische Ursachen können zu Essstörungen führen

Aber nicht das angestrebte Schönheitsideal ist ein Grund, in eine Essstörung zu gelangen. Oftmals liegt die Ursache in der familiären Situation und den Betroffenen fehlt es beispielsweise an Zuneigung und sozialen Kontakten. Sie nutzen mit dem Nicht-Essen die Macht über ihren Körper und das veänderte Aussehen dient als Abgrenzung von der Umwelt. Besonders bei Mädchen im Teenageralter spielt auch die Entwicklung zur Frau eine große Rolle und hier kommt ein gestörtes Verhältnis zwischen Mutter und Tochter hinzu.

Man unterscheidet die Anorexia nervosa (die Magersucht) und die Bulimia nervosa (die Ess-Brech-Sucht).

Der Nahrungsverzicht verschafft zum einen ein Kontrollgefühl über den eigenen Körper und verleiht dadurch Sicherheit und Befriedigung. Da diese aber nicht lange anhält, wird dieses Verhalten immer und immer wiederholt und die Betroffenen kommen aus dem Teufelskreis nicht mehr heraus und verlieren so die Kontrolle über die Kontrolle. Zum Teil wird das Hungern auch von Selbstverletzungsritualen, wie Ritzen an den Unterarmen, Brandwunden oder das Ausreißen der Haare begleitet.

Ab wann spricht man von Untergewicht?

Hinweise auf mögliches Untergewicht bei Erwachsenen gibt neben dem Gewicht auf der Waage allein der sogenannte Body-Mass-Index (BMI). Dieser wird errechnet aus dem Körpergewicht in kg geteilt durch die Körpergröße in Meter zum Quadrat.

Beispiel: Jemand ist 1,65 m groß und wiegt 50 Kilogramm. Das Ergebnis wäre 18,4. Im Internet stehen zahlreiche BMI-Rechner zur Verfügung, die die Rechnung schnell und einfach ermöglichen.
Diese Zahl wird in Bereichsgrenzen einsortiert, die Unter-, Normal und Übergewicht definieren:

  • Unter 17,5:                          ausgeprägtes Untergewicht
  • Unter 18,5:                          Untergewicht
  • Zwischen 18,5 und 25:      Normalgewicht
  • Zwischen 25 und 30:         Übergewicht
  • Zwischen 30 und 35:         Adipositas Grad I
  • Zwischen 35 und 40:         Adipositas Grad II
  • Über 40:                               Adipositas Grad III

Ein BMI von 18,4 würde also Untergewicht bedeuten. Zu beachten ist beim BMI, dass hier die Muskelmasse nicht berücksichtigt wird, sodass Extremsportler diesen nicht nutzen können. Auch für Schwangere und Stillende ist der BMI ungeeignet. Deshalb sollte man mit diesen Zahlen vorsichtig umgehen, sie können lediglich als erste Orientierung dienen.

Bei Jugendlichen unter 18 Jahren wird der BMI jedoch nicht angewendet, sondern die sogenannten Wachstumskurven oder Perzentilkurven, die man z.B. auch in den U-Heften der Kinder vorfindet.wachstumskurven

Warum ticken Jugendliche so?

Das Jugendmagazin BRAVO hat in der Dr. Sommer Studie 2016 herausgefunden, dass schon Elfjährige ihre ersten Erfahrungen mit Diäten machen.

Magersucht bei Jugendlichen

© pixabay.com

Ihr oberstes Ziel ist es, ihrem Schönheitsideal zu entsprechen und dafür sind sie bereit, ihre Gesundheit mit Hungerkuren und Extremsport zu gefährden. Oder sie erbrechen das Essen, um nicht zuzunehmen.
Von Topmodels und Fernsehstars wird Size Zero, was unserer Kleidergröße 32 entspricht, als erstrebenswert propagiert. Normalerweise tragen diese Kleidergröße Mädchen im Alter von 12 Jahren. Modelwettbewerbe im Fernsehen und verschiedene Zeitschriften sorgen ebenfalls dafür, dass Mädchen sich vom Dünnsein begeistern lassen. Dass diesen Figuren meist mit Fotobearbeitung und anderen Tricks nachgeholfen wurde, ist zwar bekannt, hält aber trotzdem nicht davon ab, den Körper zu kasteien.

Aber wie bereits weiter oben beschrieben, kann die Ursache für den Nahrungsverzicht auch psychischer Natur sein.

Warum ist Magersucht so gefährlich?

Durch das geringe Gewicht können der Flüssigkeits- und Mineralstoffhaushalt sowie die Herzfunktion gestört werden, außerdem kann der Blutdruck gefährlich absinken. Dies kann lebensbedrohlich werden. Zudem führt die geringe Nahrungszufuhr zu Mangelerscheinungen und Wachstumsstörungen oder auch zum Ausbleiben der Regel bei den Mädchen.

Wie können Eltern eine bewusste Ernährung unterstützen?

Zunächst ist es wichtig, dass zumindest zu Hause der Fernsehkonsum in dieser Hinsicht eingeschränkt wird und auch keine Modemagazine gekauft werden, sodass die Jugendlichen nicht ständig mit derartigen Werbebotschaften bombardiert werden. Natürlich kann man keinen Rundumschutz bieten, aber der eigene Umgang mit der Ernährung und auch die Art und Weise sich zu kleiden, kann eine Botschaft an die Kinder aussenden. Wenn das Modediktat von den Eltern vorgelebt wird, dann ist es wenig glaubwürdig, seinen Kindern Verbote in dieser Hinsicht zu erteilen.
Hinsichtlich der Ernährung sollte den Kindern vorgelebt werden, dass ein gesundes Frühstück sehr wichtig ist, um den Schulalltag zu meistern. Außerdem sollte versucht werden, mindestens eine Mahlzeit zusammen einzunehmen oder ab und zu gemeinsam zu kochen. So wird Essen als Gemeinschaftsereignis empfunden und auch die Lust am Essen gefördert.

Fit in der Schule – Tipps für die Ernährung von Schulkindern

Wann ist eine Therapie notwendig?

  • Laut Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) können beispielsweise folgende Verhaltensweisen auf eine Magersucht oder Bulimie hindeuten:
    • Ständiges Wiegen
    • Rituale beim Essen
    • Rückzugsverhalten
    • Bevorzugung von kalorienarmen Lebensmitteln
    • exzessiver Sport
    • Fehlende Krankheitseinsicht
    • Bei Bulimie:
    o Selbst induziertes Erbrechen
    o Medikamentenmissbrauch zur Gewichtskontrolle

    Dringender Handlungsbedarf besteht für Angehörige oder Freunde, wenn die Betroffenen extrem kraftlos und apathisch reagieren und schnell anfangen zu weinen. Sollten sich die Betroffenen weigern, therapeutische Hilfe in Anspruch zu nehmen, unbedingt an eine Beratungsstelle wenden, wie z.B. die Telefonberatung der BZgA.