Virtuelle oder analoge Wohnungsbesichtigung: Was sind die Vor- und Nachteile?

Wohnungsbesichtigungen gibt es auch vortuell

Schlange stehen im Treppenhaus, Besichtigungen innerhalb von wenigen Minuten, das Gefühl irgendwie durchgeschleust zu werden? Viele haben das schon erlebt, als sie sich auf die Suche nach ihrer Traumwohnung machten. Der Eindruck, nur einer oder eine unter den vielen zu sein und letztlich wegen Katze Mimi, dem Schlagzeug oder den zwei Kleinkindern die Wohnung doch nicht zu bekommen, kennen viele. Sind diese Zeiten jetzt vorbei?

Corona befördert die Digitalisierung auch bei der Wohnungssuche

Corona macht es Vermietern, Maklern und Wohnungssuchenden schwer. Massenbesichtigungen von Mietobjekten gibt es nicht mehr. Kein Fehler, wird so mancher sagen. Doch immer noch sollen in leer stehenden Wohnungen neue Mieterinnen und Mieter einziehen. Und wie sollen diese eine Wohnung in Ruhe besichtigen können und abwägen, ob diese in Frage kommt oder nicht? Vermieter oder Makler verspüren oft keine Lust, hunderte von potentiellen Mietern durch ihre Wohnungen oder Häuser zu schleusen, Termine mit Abstand zu vereinbaren und sich trotzdem Risiken auszusetzen. Doch wie lassen sich solchen Begegnungen vermeiden?
Die Digitalisierung macht es möglich. Auch die Immobilienbranche profitiert davon. Mittlerweile gibt es Tools, die eine Besichtigung der künftigen Traumwohnung problemlos möglich machen. Ein Beispiel für viele ist die Firma GCP, ein Wohnimmobilienunternehmen, das mittlerweile Wohnungsbesichtigungen und Rundgänge virtuell ermöglicht.

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Virtuelle 360 Grad-Rundgänge bei einer Wohnungsbesichtigung liefern einen ersten Eindruck

Bei solchen virtuellen Wohnungsbegegnungen können sich Interessenten ganz in Ruhe von zu Hause aus bei den Angeboten umschauen. Alternativ sind auch Live-Termine möglich, mit dem Vorteil, direkt Fragen an Vermittler oder Vermittlerin zu stellen. Nicht ganz neu, aber auch wichtig für Vorabinformationen sind virtuelle 360 Grad-Rundgänge.
Somit unterstützt diese Technik Sie dabei, einen ersten Eindruck von der Wohnung zu gewinnen. Das ist mehr, als einfach nur mal durchs Schlüsselloch zu gucken. Ein Grundriss auf dem Papier ist natürlich wichtig, auch Bilder tragen Informationen weiter, aber erst im 3D-Format erkennen Sie wirklich, ob Omas alte Eichenholzvitrine stimmig ins Wohnumfeld integrierbar ist oder besser in der alten Wohnung stehen bleiben soll. Oder der Einbauschrank sich auch optisch gut einpasst. Und wohin kommt das Klavier? Ist die Wand auch für empfindliche Musikinstrumente geeignet? Falls es um die Einrichtung des Jugendzimmers gehen sollte, erhalten Sie im Artikel Kinder- und Jugendzimmer auf Familienkultour einige Tipps.

Solche Möglichkeiten gibt es zwar schon länger, doch erst Corona gab es den entscheidenden Impuls, diese virtuellen Möglichkeiten verstärkt auch in der Praxis einzusetzen. Einmal, um sich vor Infektionen zu schützen, aber auch um Informationen zu erhalten, die eine Entscheidungsfindung erleichtern. Selbst Beratungsgespräche lassen sich problemlos per Videocall führen und hier können die Interessenten auch gleich die passenden Fragen stellen.

Klingt alles recht gut, dann könnte jetzt alles virtuell laufen, nebst Vertragsunterschrift? Besser nicht, es gilt einfach abzuwägen, denn wo ein Vorteil ist, sind die Nachteile nicht fern. Wir wägen Vorteile und Nachteile gegeneinander ab und ziehen eine wichtige Schlussfolgerung.

Welche Vorteile gibt es bei einer virtuellen Wohnungsbesichtigung?

• Die Besichtigung muss nicht aufgeschoben werden, das Ansteckungsrisiko ist nicht nur reduziert, sondern geht gleich Null.
• Der Termin ist ortsunabhängig und kann von zu Hause, dem Büro oder einem flexiblen Ort aus durchgeführt werden.
• Keine Hetze, denn ein Rundgang braucht seine Zeit. Und die hat jeder für sich und kann in aller Ruhe eine 360 Grad-Besichtigung vornehmen.
• Mehrere Objekte lassen sich fast zeitgleich oder zumindest zeitnah besichtigen. Somit erhält man zunächst einen ersten Eindruck und erkennt, welche Objekte gar nicht in Frage kommen und welche in engere Wahl zu ziehen sind.
• Wie war das mit dem Badezimmer noch einmal? Jederzeit lässt sich der Rundgang wiederholen, falls neue oder andere Fragen auftauchen, die sich in so manchen Punkten auch recht schnell klären lassen.
• Bei einer realen Wohnungsbesichtigung lassen sich weder Tante Herta noch Onkel Klaus mitschleppen, die nette Nachbarin und der beste Freund auch nicht. Bei einer virtuellen Wohnungsbesichtigung sind alle dabei, vielleicht auch nur virtuell, aber ein Meinungsaustausch unterstützt bei der Entscheidung. So schreibt die Süddeutsche Zeitung, dass virtuelle Besichtigungen Enttäuschungen ersparen.
Mittlerweile gibt es übrigens Unternehmen, die sich darauf spezialisiert haben, solche virtuellen Rundgänge zu erstellen, wie der Standard aus Österreich berichtet.

Lernen Sie auf jeden Fall das Wohnumfeld kennen

Wer eine Wohnung besichtigt, lernt auch das Wohnumfeld im Detail kennen. Darum kommen Sie nicht herum, allerdings lässt ein erster Blick auf Google Eearth hier auch hier erste virtuelle Einblicke zu.

Hierauf sollten Sie unbedingt achten:
• Wo ist die nächste Straße?
• Wie sieht das mit Parkplätzen aus?
• Ist die Gegend fahrradfreundlich?
• Gibt es eine Spielstraße für die Kinder?
• Ist ein Laden in der Nähe?
• Befindet sich im Wohnhaus eine Kneipe?
Solche Fragen lassen sich recht schnell beantworten und auch erst einmal wertfrei. Der eine freut sich über die Kneipenlage, der andere wird sie unbedingt meiden wollen.

Wohngebiet

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Nachteile einer virtuellen Wohnungsbesichtung

Doch trotz der Vorteile der Virtualität, ein analoger Eindruck wird am Ende doch nötig sein. Stimmungen lassen sich schlecht virtuell erfassen, das berühmte Bauchgefühl, dem wir gerade bei solchen wichtigen Lebensentscheidungen ein Recht einräumen sollten, kann uns virtuell nur wenig helfen. Da müssen wir schon vor Ort sein. Folgende Fragen kann eine virtuelle Besichtigung erst einmal nicht beantworten:

• Wer lebt in der Nachbarschaft?
• Wie sieht die gesamte Wohnungsstruktur aus?
• Leben hier Singles oder Paare, Studenten, Familien, Rentnerinnen oder wer auch immer?
• Wie sieht die Altersstruktur der Mieter aus?
• Welchen Geruch entdecke ich im Treppenhaus?
• Passt der Kinderwagen in den Aufzug?
• Wie steil ist die Treppe wirklich?
• Ist der Fahrradkeller leicht oder schwer zugänglich?
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Dies sind nur einige wichtige Beispiele, aber gleichzeitig Fragen, auf die Ihnen ein noch so perfekter virtueller Rundgang keine Antworten geben kann. Bei einer analogen Wohnungsbesichtigung sehe ich, ob Kinderwägen deponiert wurden, ob der Müll sich in der Nähe des Treppenhauses befindet und ob die Eingangstür schwer oder leicht schließt. Wer mit Kindern eine Wohnung bezieht, freut sich über Kinder in der Nähe. So ist nicht immer nur die Wohnung an sich wichtig, sondern auch das komplette Umfeld und viele weitere Kleinigkeiten machen ganz viel an der Wohnqualität aus.

Zusammenfassung:
Die vielfältigen virtuellen Tools liefern Ihnen einen guten Einstieg bei der Wohnungsauswahl, sie können Risiken minimieren, Wohnungen, die nicht in Frage kommen ausschließen, erste Kontakte herstellen und eben Auswahlhilfen darstellen. Ganz am Ende wird dann doch eine analoge Entscheidung stehen. Aber die Mittel können die Wege abkürzen, Geld sparen, ein breites Informationsspektrum bieten und den Weg zur Traumwohnung virtuell ebnen.
Eine Entscheidung nehmen Sie nicht ab. Sie sind eben das, was sie sind: Hilfen.

Falls Sie Ihre Traumwohnung gefunden haben erhalten Sie in diesem Artikel auf Familienkultour Tipps für einen Umzug:

Tipps für einen Umzug im Winter