Zurück

Stelenfeld in Berlin

Berlin

Stelenfeld in Berlin: Wer Berlin besucht, sollte mit etwas älteren Kindern auf jeden Fall das Stelenfeld, das Denkmal für die ermordeten Juden Europas, besichtigen. Diese vom Architekten Peter Eisenmann entworfene Gedenkstätte will alle Interpretationen offen lassen. Kinder sollten auf einen Besuch auf jeden Fall vorbereitet werden. [ab 12 Jahren]

Das Denkmal für die ermordeten Juden Europas im Zentrum Berlins ist die zentrale Holocaust-Gedenkstätte Deutschlands.

Das Denkmal für die ermordeten Juden Europas ist seit dem 12. Mai 2005 für die Öffentlichkeit zugänglich. Schon im Juni 1999 hatte der Bundestag beschlossen, einen solchen zentralen Ort der Erinnerung inmitten Berlins einzurichten, einen Ort des Gedenkens an bis zu sechs Millionen Opfer. Das ca. 19.000 m² große Gelände des Denkmals finden die Familien am Rande des Großen Tiergartens, zwischen Ebert- und Wilhelmstraße.

Somit erleben Eltern und Kinder das Denkmal in unmittelbarer Nähe zum Brandenburger Tor und in Nachbarschaft zu Botschaften, wichtigen Kulturinstitutionen, Geschäfts- und Wohnbauten sowie zum Tiergarten. Hiermit soll auch der öffentliche Charakter des Denkmals ausgedrückt werden.

Die 2711 Stelen wurden aus sehr festem, grau eingefärbtem Beton gefertigt. Wer das Stelenfeld betritt und zwischen den Betonstelen seinen Weg sucht, gerät tief in das „Innere des Denkmals“. Da die Stelen auf einem zwar fast unmerklich, aber sich doch absenkenden und wieder hebenden Gelände stehen, tauchen die Familien, gleichgültig von welcher Seite sie das Denkmal nun angehen, in die vollständig begehbare Struktur ein und bleiben hier auch für Momente „gefangen“. Wer nur ein paar Schritte hinein geht, findet sich fast übergangslos allein und sehr rasch verliert man den Sichtkontakt.

Das Stelen-Denkmal wird durch einen Ort der Information ergänzt, der in der südöstlichen Ecke des Stelenfelds unterirdisch angelegt wurde. Diesen Bau erreichen die Familien über zwei Treppen und einen Fahrstuhl. Seiner beeindruckenden Architektur und eigenständige Formensprache gibt in mehreren z. T. mit Tageslicht beleuchteten Räumen auf ca. 800 m² Präsentationsfläche die notwendige Aufklärung über die zu ehrenden Opfer und die authentischen Stätten des Gedenkens.

Die Geschichte des Holocaust aus der Perspektive des Einzelnen dargestellt und immer gleichzeitig mit Blick auf die europäische Dimension des Holocaust. Im „Raum der Familien“ werden z.B. unter Verwendung großformatiger Reproduktionen von Familienfotos 15 Lebensläufe jüdischer Familien in Europa vorgestellt, die Umstände des Lebens, Überlebens und Sterbens jedes einzelnen Familienmitglieds – soweit bekannt – vor, während und nach der Shoah.

Wer die Denkstätte in Berlin mit Kindern aufsucht, sollte mit ihnen auf jeden Fall die historische Dimension dieses außergewöhnlichen Ortes vor- und nachbereiten. Mit jüngeren Kindern empfiehlt sich ein Besuch nicht, aber mit etwas älteren Kindern sollte der Besuch bei einem Berlinaufenthalt eingeplant werden. Das Stelenfeld ist kein Freizeitpark und auch kein Spielplatz und hier liegt es auch in der Verantwortung der Eltern, dies den Kindern zu vermitteln.

Der „Ort der Information“ bietet übrigens auch viele Führungen durch das Stelenfeld und auch zahlreiche museumspädgagoische Projekte und Workshops an.

„Es ist geschehen, und folglich kann es wieder geschehen: darin liegt der Kern dessen, was wir zu sagen haben.“ Zitat aus Primo Levi: „Die Untergegangenen und die Geretteten“. Carl Hanser Verlag, München.